Auch in Corona-Zeiten müssen High-Yield-Investoren keine Hasardeure sein

 

Alexandra Burchard Gräfin von Kalnein

Alexandra Burchard Gräfin von Kalnein, Geschäftsführerin Natango Invest GmbH

 

Rating-Abwertungen, Kursverluste, Insolvenzängste: Die globalen Märkte für Hochzinsanleihen gerieten auf dem Höhepunkt des Lockdowns deutlich unter Druck. Aus Angst vor einer großen Insolvenzwelle versuchten einige Investoren panisch alles zu verkaufen, auf dem das Label „High Yield“ prangte – und warfen dabei alle Emittenten in einen Topf. Dabei ist man auch im DAX nicht vor Pleiten sicher, wie wir gesehen haben. Gleichzeitig gab es im zweiten Quartal nur wenige High-Yield-Transaktionen, so dass auch mangels ausreichender Liquidität die Kurse auf breiter Front eingebrochen sind. Noch heute dominiert bei manchen Investoren die Angst, die meisten High-Yield-Bonds notieren deshalb immer noch unter pari. Andere sehen gerade jetzt Einstiegschancen. Wer hat Recht?

Das Ticken einer ökonomischen Bombe

Im vielgerühmten deutschen Mittelstand spielt der Kapitalmarkt bei der Fremdkapitalbeschaffung eine untergeordnete Rolle. Banken und Sparkassen dominieren (noch) mit ihren Krediten den Markt. Genau hierin schlummert jetzt ein Systemrisiko: Der Bankenmarkt ist in keinem guten Zustand, niedrige Zinsmargen und eine immer strengere Regulierung haben ihm zugesetzt. Wenn die Corona-bedingte Lockerung des Insolvenzrechts wie derzeit vorgesehen zum Jahresende ausläuft, droht nun noch ein Insolvenz-Tsunami auf die Banken zuzurollen, mit entsprechenden Abschreibungen. Hinzu kommt die noch ausstehende nächste Stufe der Baseler Eigenkapitalregulierung, die ab 2022 geplant ist. In Deutschland brennt die Lunte an einer ökonomischen Bombe: In einer ohnehin schwierigen konjunkturellen Lage werden die Kreditinstitute sehr zurückhaltend bei der Kreditvergabe agieren (müssen).

Deutschland ist ein Bond-Entwicklungsland

Ein Ausweg wäre die Emission von Anleihen. Doch der deutsche Markt sowohl für Mittelstands- als auch für Hochzinsanleihen ist strukturell unterentwickelt und auf wenige Sektoren konzentriert. Deshalb ist er auch für Investoren wenig liquide und sehr volatil. In den USA hingegen ist die Lage eine völlig andere, hier war der Kapitalmarkt schon immer ein gangbarer Weg zur Fremdkapitalbeschaffung für Unternehmen jeder Art und Größe. Allerdings braucht man als deutscher Investor entweder selbst viel Geduld, um diesen großen und fragmentierten Markt zu überblicken – oder einen entsprechenden Partner.

Die drohende Ausfallrate wird überschätzt

Natürlich steigen auch in den USA die Insolvenzen und somit die Ausfallraten im High-Yield-Segment. Wer ausgerechnet jetzt solche riskanteren Geschäftsmodelle finanziert, muss trotzdem kein Hasardeur sein. Die pauschalen Kursabschläge sind oftmals übertrieben. Nicht alle Unternehmen sind gleichermaßen von der Pandemie und ihren Folgen betroffen. Manche werden sogar zu den Gewinnern zählen, beispielsweise digitale Geschäftsmodelle. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 oder im Krisenjahr 2001 lag die Ausfallrate im US-High-Yield-Bereich nur kurzfristig bei höchstens etwa zwölf Prozent. Zwar gab nun es infolge von Corona einen spürbaren Anstieg, inzwischen aber bereits wieder einen leichten Rückgang: Zwischen Juli und August sank die Ausfallrate von 6,22 auf 5,77 Prozent. Hinzu kommt, dass die Fed wegen der Corona-Krise High-Yields in ihr jüngstes Anleihekaufprogramm aufgenommen hat und damit zusätzliche Unterstützung in den Markt bringt. Dazu ist die EZB (noch?) nicht bereit.

Fallen Angels verleihen Flügel

Selbst etablierte Anleiheemittenten verlieren im Zuge der Krise ihr Investment-Grade-Rating und werden zu „Fallen Angels“. Beispielsweise weil während des Lockdowns die Umsätze wegbrachen und die Eigenkapitalreserven schmolzen, worauf die Ratingagenturen reagieren müssen. Das hat zwei Folgen: Erstens finden sich unter den Absteigern auch Perlen, die schnell wieder in die Investment-Grade-Liga aufsteigen dürften – eine einmalige Chance für findige Investoren. Zweitens wird der High-Yield-Markt somit in nächster Zeit deutlich wachsen, manche Beobachter sprechen von einem Anstieg des Marktvolumens von bis zu 30 Prozent. Damit wird das gesamte High-Yield-Segment liquider.

Pauschale und ungerechtfertigte Kursabschläge nutzen

Klar ist: Bestandsinvestoren müssen auch ungerechtfertigte Kursabschläge bilanziell abbilden, auch wenn sie die Anleihen bis zur Endfälligkeit halten wollen – ein Irrsinn deutscher Bilanzierungsregeln. Aufmerksame Neuinvestoren hingegen finden günstige Einstiegschancen wie lange nicht: Wer sich also die Mühe macht, kann auf dem Markt für US-High-Yields derzeit pauschale und ungerechtfertigte Kursabschläge identifizieren. Belohnt werden diese Mühe und eine gewisse Risikobereitschaft mit einem Wertaufholungspotenzial spätestens zum Laufzeitende, vor allem aber mit zum Teil zweistelligen Cashflow-Renditen, die in kaum einer anderen Assetklasse derzeit zu finden sind. Voraussetzung sind eine fundierte Marktkenntnis oder ein kompetenter Partner.

 

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